Spatial Justice von Edward Soja: Und das Rätsel wie man das verstehen soll ohne die Vorgängertheorien auswendig zu können.

Ich stelle fest, dass ich nicht dazu geeignet bin soziologische Theorien so ohne weiteres und ohne praktische Beispiele zu verstehen.

Dahingehend bin ich sehr enttäuscht vom Seminar: Bisher diskutieren wir wirklich ausschließlich soziologische Theorien deren Anwendung in der Stadtplanung so gut wie überhaupt nicht genutzt werden kann. In der Stadtforschung kann das sicher hilfreich sein, aber dort auch nur wenn man harte Wissenschaft machen möchte. Hat das für die Ausbildung als Stadtplaner einen echten Wert?

Mir fehlt bisher die Möglichkeit die diskutierten Theorien so zu verstehen, dass sie in der Planung anwendbar werden. Die Theorien bauen aufeinander auf, sind ineinander verschachtelt und versuchen Gerechtigkeit bis ins kleinste Detail zu definieren und möglichst korrekt auf Papier zu bannen. Dabei kommt es mir vor wie die (Hochschul-)Mathematik oder String-Theorie der Stadt: Im System oder in 13 Dimensionen funktioniert das ganze perfekt. Nur wo ist es praktisch anwendbar?

Die einzige Anwendung die mir einfällt ist ein wissenschaftlich qualifiziertes Bewertungssystem für Gerechtigkeit. Soweit ist der Ansatz ja schonmal ganz schön: Gerechtigkeit messbar machen, kann sicher helfen soziale Krisen vorauszusehen und mit planerischen Mitteln gegen zu steuern. Nur sollte man dann nicht vielleicht lieber die empirischen Studien zum Thema angucken, statt die Theoretiker, die vorwiegend sich selbst und erst nachgeordnet den Empirikern nützen, zu lesen? Denn vielleicht kann man aus der Empirie ableiten welche Maßnahmen ganz besonders wirksam sind um einen höheren Score bei den Gerechtigkeitsmessystemen zu erreichen, hm?

Dann muss man sich aber auch fragen, ob man nicht mit einfacheren Mitteln Gerechtigkeit herstellen kann, als über ein hochkomplexes wissenschaftliches Bewertungsystem? Naja. Ich sollte still sein, was Monitoringsysteme angeht. Immerhin bin ich doch derjenige der die Stadt hinsichtlich der demographischen Entwicklung vermessen und einen möglichen Kollaps vorhersehen möchte.

Und noch etwas: Kann ein abstraktes Gerechtigkeits-Mess-system wirklich so genau sein, wie es unsere westliche und im vergleich mit Schwellen- und Entwicklungsländern sehr gerechte Welt hinreichend genau beschreiben kann? Ist das Thema Gerechtigkeitsmonitoring etwas für die “Erste Welt”?

Und wenn wir schon über Gerechtigkeit reden, warum dann nicht über die einzelnen Aspekte (und deren Wechselwirkungen) die Gerechtigkeit ausmachen?

Doch zurück zu Soja: Ich versuche gerade ein Interview mit ihm zu lesen, was angeblich sehr einfach zu lesen ist. Ich tu mich so schwer die vielen abstrakten Begriffe die ich lese mit Inhalt zu füllen und den Text wirklich zu verstehen. Ich habe den Eindruck als müsste ich die Theorien von Foucault und Lefebvre kennen…?

Ich habe den Eindruck, dass Soja wieder einen sehr anglophilen Blick hat und nicht so richtig relevant für ein deutsches Planungsverständnis ist. Er findet es bedeutsam, dass Stadtplaner an der UCLA enge Verbindungen mit Gewerkschaften haben. In Deutschland ist das doch normal dass Planer Linke Socken sind und dass Planung entsprechend um sozialen Ausgleich bemüht ist, oder?

Third Space ist irgendwie Quatsch. First Space = realer Raum, Second Space = persönliche Wahrnehmung und persönliche Interpretation des Raumes mit allen Bildern, Symbolen und Emotionen. Third Space der das vereint. Ja. Das nennt sich Realität. Er will also weg von den abstrakten Theorien die nur das eine oder das andere beinhalten? Das erscheint legitim aber ob man das so definieren muss? Hätte er auch einfach anders sagen können…

Die Dozentin hat mal gesagt, dass man in der Soziologie so ungefähr mit jedem der Theoretiker ein eigenes Semesterfüllendes Seminar veranstalten könnte. Vielleicht wäre das besser gewesen sich nur mit ein oder zwei zu beschäftigen damit man die dann zumindest als ungeübter verstehen kann… aber ich tu mich damit ja auch deutlich schwerer als alle anderen…

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *