Softwarelizenzen bei der Pluginentwicklung. Eine kleine Recherche.

Ich bin ja schon länger mit verschiedenen Programmierprojekten betraut. zum Beispiel mein Thekendienst-Plugin für WordPress oder das Einwohnermelderegister-Verortungs-Plugin für QGIS, dass ich im Rahmen meines letzten Studienprojektes geschrieben habe.

Da nun ansteht das ein bisschen auszubauen, muss ich mich mal ein bisschen mit Softwarelizenzen auseinandersetzen. Bisher habe ich einfach alles was ich so produziert habe unter der Lizenz der “Muttersoftware” veröffentlicht. Da konnte ich nichts falsch machen. Nun bin ich aber einigen sehr speziellen Anwendungen dran, die für mich evtl. aus berufliche Zukunft taugen würden. Obgleich ich ein großer Freund von Freier Software bin möchte ich mir zumindest die Option eröffnen, das ein oder andere zu vermarkten.

Eine codetechnische Anpassung einer Software die unter einer entsprechenden freien Lizenz steht, muss ich bei Veröffentlichung eben auch unter dieser Lizenz weiterveröffentlichen. Soweit habe ich also mit meinen bisherigen Projekten alles richtig gemacht. Was mir aber auch eingeräumt wird, was ich so bewusst noch nicht wusste, dass ich das umgehen kann, indem ich einfach nicht veröffentliche, sondern meine Anpassungen am Programmcode ausschließlich in-house und durch mich benutze.

Ich schreibe gerade (oder genauer: plane zu schreiben) an einer GIS-Software für ein Demographiemonitoring für den ländlichen Raum mit planerischen Zielstellungen. Das ist etwas, was zur Zeit noch von einigen wenigen Büros und Institutionen gemacht wird, vorwiegend als Dienstleistung, aber höchstens mit kommerziellen Softwareprodukten für INGRADA oder ArcGIS.

Eine Software für freie GIS-Programme (die auch Lizenzabgabenfrei sind und folglich flächendeckend erschwinglich sind) gibt es – soweit ich den Überblick habe – noch nicht. Nun stellt sich die Frage, inwiefern man Erweiterungen für diese Programme kommerziell vermarkten kann. Rein rechtlich. Technisch ist das alles sehr machbar, weil die Software meiner Wahl, Quantum GIS, sehr modular aufgebaut ist, es also eine Schnittstelle für Plugins gibt.

Wie oben geschrieben: Ich darf durchaus mit einer eigenen Software-Anpassung kommerziell tätig sein, allerdings lediglich als Dienstleister. Ich darf also meine Softwareerweiterung nicht als Closed-Source Software (mit Lizenzgebühren) vermarkten. Nun stellt sich die Frage, ob Plugins, die ja mit dem eigentlichen Programmcode des Programms nichts zu tun haben, sondern lediglich deren Programmfunktionen nutzen, als Softwareanpassung gelten, oder aber als eigenständiges Produkt.

Bisher habe ich noch keinerlei Erweiterungen für das Programm gefunden, die man käuflich erwerben könnte, die also als eigenständiges (im juristischen Sinne) Softwareprodukt vermarktet werden. Das legt die Vermutung nahe, dass das nicht möglich ist. Aber bevor ich das als Wahrheit postuliere, muss ich das nochmal genauer prüfen.

Ein paar Quellen nutze ich.

Und eigentlich braucht es nur diese Quellen, damit hier jeder Leser den Überblick bekommen kann. Wichtigste Zitate wie ich meine (von gnu.org):

However, in many cases you can distribute the GPL-covered software alongside your proprietary system. To do this validly, you must make sure that the free and non-free programs communicate at arms length, that they are not combined in a way that would make them effectively a single program.

Und ganz konkret (von gis.stackexchange):

You cannot :

  • use a proprietary (or non-gpl compliant) python module in your plugin importing a qgis module
  • link (as in compilation link) your plugin (c++ or python) with any proprietary or non-gpl compliant library.

You can :

  • Execute an external application, whatever its licence, from your plugin, exchanging data through files for example
  • Call a webservice or a socket-based service to a proprietary server application

So ganz klar ist das aber immer noch nicht. Zum Beispiel schreibt meine erste Quelle da oben, mit Verweis auf die EU-Richtlinie 91/250/EWG, dass das Nutzen von “Schnittstellen” (auch “api” genannt) durchaus eine normale Funktion eines Programms sein kann und folglich den Sachverhalt “Armeslänge” erfüllt wäre. Die Frage ist, was ist API und was ist Bibliothek. Bei Plugins, die im Sinne nachfolgenden Zitats als Komponentenschnittstelle gelten, ist das nicht so wirklich deutlich:

Bei der Frage, ob Komponentenschnittstellen eigenständige Werke trennen, zeigt sich, dass das vorherrschende Programmverständnis aus der Zeit der Computerprogramm-Richtlinie in Auflösung begriffen ist. Während Programmier- und Kommunikationsschnittstellen im Regelfall eigenständige Programme bzw. Betriebssystem und Anwendungsprogramme trennen, lässt sich dies von Komponentenschnittstellen nicht in dieser Allgemeinheit sagen. Ein Programm kann aus mehreren Komponenten bestehen, die zudem in unterschiedlich starkem Umfang voneinander abhängig sind. Dies kann im Extremfall dazu führen, dass eine Komponente in unveränderter Form für eine Vielzahl von Programmen verwendbar ist oder eben so eng mit einem einzigen Programm verwoben ist, dass sie mehr oder weniger in diesem Programm aufgeht.

Ob das Quantum-GIS-API mir so autarke Möglichkeiten einräumt, autark vom eigentlichem QGIS zu arbeiten wage ich – jetzt mal rein intuitiv – zu bezweifeln.

Wer das genauer wissen möchte sollte das PDF von Till Jaeger/ifross lesen. Da ist die notwendige juristische Differenzierung noch genauer aufgezeigt.

Bisher verwende ich Python zur Entwicklung und importiere einfach fleißig externe GPL-Bibliotheken, so dass diese mir meine Funktionen zur Verfügung stellen. Würde ich das sein lassen, sondern ausschließlich und direkt auf die die api-Funktionen von QGIS zurückgreife, wäre eine kommerzielle Vermarktung vermutlich denkbar. Allerdings auch furchtbar aufwändig. Ich nutze so viele externe Funktionen, dass ohne diese eigentlich nichts an eigener Software über bleibt. In dem Jaeger-Text wird das übrigens als intensive Werkverbindung (als juristischer Fachbegriff) benannt, denke ich.

Effektiv kann ich also meine Plugins nicht kommerziell vermarkten, sondern lediglich in-house verwenden.

Denkbar ist für mich also meine Software in zwei Teile zu teilen. Eine Quelloffene die ich beim Klienten ausführen lasse (zum Beispiel zwecks Datenexport) und eine die nicht veröffentlicht wird und die ich als Dienstleister nutze.

Ich habe die Theorie, dass das mit ein Grund ist, warum viele Firmen in der Branche komplett geschluckt werden, statt nur eine Software zu kaufen. Wenn eine In-House-Software irgendwann mal auf einem quelloffenen System basierte und deren Bestandteile noch nutzt, kann man die eigene Softwareerweiterung zwar benutzen, aber eben nicht verkaufen. Und weiter nutzen, wenn man plötzlich zu einer anderen Firma gehört. So ist zumindest mein naives Verständnis der Thematik.

Ich kann mir vorstellen, dass (auch) aus diesem Grund Linux immer noch ein Nischendasein führt. Da dieses Betriebssystem und seine Subdienste freie Software sind, kann Software die diese Funktionen in engem Maße nutzt (enger als Armeslänge) nicht kommerziell vermarktet werden. Unternehmen die mit Software Geld verdienen, haben also keinerlei Interesse sich allzu eng an dieses Betriebssystem zu binden. Wenn ich recht informiert bin, sind viele der Funktionen von Mac OS X und Windows mit entsprechenden Lizenzen ausgestattete, dass eine kommerzielle Nutzung möglich ist. Die damit verbundene Möglichkeit mit Software Geld zu verdienen spornt in einem kapitalistischen System natürlich mehr an, dort Energie und Geld in die Entwicklung zu stecken.

Ich hätte nicht gedacht, dass offene Systeme mal verhindern, dass Innovation stattfindet. Die Restriktivität (unter Einräumung gewisser Rechte) kommerzieller Betriebssysteme hilft offensichtlich auch das eigene Produkt (und das dadurch generierte Einkommen) zu sichern. Auch ein wichtiger Aspekt, denke ich.

In freier Software steckt viel Ideologie. Jetzt muss man nur Fragen ob diese Ideologie durch vorgenannten Sachverhalt sich nicht selbst in den Rücken fällt. Denn es schafft durch die Verpflichtung zur Quelloffenen Veröffentlichung eine Grenze, die durchaus auch durchlässiger gestaltet werden könnte.

Jetzt verstehe ich auch so langsam, warum Qt4 in einer GPL- und einer kommerziellen Version vorliegt: Das Programmbibliotheken die engst mit der eigenen Software verschlungen werden: Armeslänge ist da nicht. Und bei Qt4 ist das auch nur möglich, weil ein Unternehmen da hinter steht, was einen Großteil, wenn nicht allen Programmcode zu Qt4 schreibt. Wie das intern läuft Programmcode, der von dritten für die GPL-Version geliefert wurde, auch in die kommerzielle Version zu bekommen lässt mich mich noch am Kopf kratzen. Vielleicht wird tatsächlich in jedem Einzelfall um Erlaubnis beim Autor gefragt oder ggf. die Arbeit vergütet? Wer weiß? 🙂

Entwicklungsumgebung

Seit etwa einer Woche lerne ich ja Python und habe mich endlich mal nach einer vernünftigen Entwicklungsumgebung umgesehen. Zuletzt hatte ich lediglich den Mac-Only Editor TextWrangler verwendet, der zwar code highlighting für Python beherrscht und sehr gute TExtbearbeitungsfunktionen mitbringt, aber jeglichen Komfort hinsichtlich Code-Completition, Projektverwaltung oder Versionskontrolle vermissen lässt.

Ich habe mich jetzt dafür entschieden Komodo Edit eine Chance zu geben. Basierend auf Firefox ist der Grundcode sehr vernünftig und vor allem: CrossPlattform. Es unterstützt Extensions (genauso wie Firefox Extensions unterstützt) und hat auch eineu ganz ordentliche Entwicklercommunity, die das Projekt unterstützen. Komodo Edit ist das kleine Geschwisterchen von Komodo, einer vollwertigen Entwicklungsumebung für richtig viel Geld. Für meine Zwecke reicht die Edit-Version aber vollkommen aus.

Um die Funktionen die ich haben wollte zu haben musste ich auf Extensions zurück greifen:

Bisher sieht es sehr gut aus 🙂

pyuic on OS X

In case anyone out there ist triing to figure out where the macports port py-pygt4 is installing pyuic: Its called pyuic-27 and it is in the /opt/bin folder, where it suppose to be. But with the different name. took me an hour to figure this out. Sometimes I hate this Dev-Stuff…

Europäische Raumordnung. Ein Review

Im Rahmen meines Seminars zum Raumordnungsrecht soll ich das lesen:

Erbguth, Wilfried (2011): „Perspektiven der Raumordnung in Europa“ In: Raumforschung und Raumordnung; Springer; Band 69/2011 (Heft 6), Seiten 359–365

Und ich tu mich schwer. Primär weil ich mich über die Ausdrucksweise des Autors aufrege und sekundär weil mir etwas Vorwissen zur Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie fehlt. Ich versuche das was ich verstehe mal in ein kleines Review zu packen:

Die EU hat keinerlei Kompetenz was Raumordnung und ähnliches angeht. Dennoch gibt es sog. “soft law”, was prinzipiell nicht in konventioneller Gesetzgebung verankert ist, sondern auf Absprachen zwischen den EU-Mitgliedern basiert. Meeresschutz ergibt sich (aus einem mir nicht näher bekannten Grund) dennoch eine EU-Kompetenz. Auf Basis dessen möchte der Autor nun eine europäische Raumordnung etablieren. Er sieht das operative deutsche Raumordnungsrecht als Grundlage und räumt daher D eine federführende Rolle bei der Etablierung ein: Wie er meint weil wir viel Praxiserfahrung haben und weil die Reflexion unseres Systems auf die EU dafür sorgen würde, dass wir unser System mal kritisch hinterfragen. Was eine europäische Raumordnung angeht, so macht er
• organisatorische Vorschläge: So solle in den Mitgliedsländern jeweils eine zentrale Stelle geschaffen werden die die jeweilige innerstaatliche Planungskultur für die europäische Ebene übersetzt und als kommunikative Schnittstelle zwischen Mitgliedsstaaten dient. Als
• Materieller Vorschlag wird lediglich gemacht, dass eine EU-RO die Leitvorstellung der RO (nämlich die Nachhaltigkeit), die Definition der RO (was macht die? überörtliche und überfachliche Planung!) und einige grundsätzliche Definitionen vorgeben sollte (z.B. Begriffsbestimmung…). Der Autor meint, da die EU von Umweltfragen dominiert ist, müsste man darauf achten dass alle Aspekte der Nachhaltigkeit in der EU-RO sich widerspiegeln würden. Der Autor ist der Meinung, dass die RO die sich in der Regel Themen bearbeitet die “raumbedeutsam” sind, zukünftig mit Themen beschäftigen sollte die “für die Landentwicklung von Bedeutung” sind. Schlussendlich gibt es
• Instrumentelle Vorschläge. So empfiehlt der Autor der deutschen großräumige Planungsebene mehr Bedeutung beizumessen und dementsprechend überregional mehr Festsetzungen zu treffen. In dem Zusammenhang schlägt er vor das Bundesgebiet neu zu ordnen, weil kleine Bundesländer diesen Anforderungen nicht gerecht werden. Zugleich möchte er der Bundesraumordnung mehr Bedeutung beimessen, insbesondere hinsichtlich Infrastruktur und speziell der Energieversorgung. Eine EU-RO soll nur sehr grobe Festsetzung zur Siedlungsentwicklung (im Sinne der Schonung des Außenraums), zur Freiflächenentwicklung und zur großräumigen Infrastrukturplanung beinhalten. Das ganze soll mit einer Öffentlichkeitsbeteiligung vonstatten gehen, so wie das auch bei der strategischen Umweltprüfung von europäischer Seite her vorgegeben ist. WEiterhin soll es auch ein an das deutsche System angelehnte Raumordnungsverfahren im EU-Kontext geben: Bis dahingehend, dass in Grenzbereichen die EU für die überörtliche Planung zuständig ist. Der Autor erörtert weiterhin dass zukünftig Mediation und Monitoring Teil der EU-RO sein sollte. Zu guter Letzt weist der Autor darauf hin, dass bei einer Etablierung einer EU-RO die im Bundeskontext relevante EU-Vorgabe, dass Natura 2000-Gebieten besonderer Vorrang zu gewähren ist, zu überdenken ist (grausamer satz!). Denn die Abwägung dazu wäre schon auf europäischer Ebene erfolgt.

Kritik:

Ich finde vieles von dem was der Autor schreibt leitet sich allzusehr aus einem deutschen Verständnis von Raumordnung her ab: Ich glaube nicht, dass eine deutsche (also ordentliche) Raumordnung in einem Land wie Griechenland wo es noch nicht mal eine Liegenschaftsverwaltung gibt, das richtige Werkzeug ist. Eine europäische Raumordnung die über das hinaus geht, was es heute gibt sorgt nur dafür, dass die EU weiter als Bürokratiemonster verschrien ist. Das schöne an der deutschen RO ist ja, dass sie wahnsinnig still und recht effizient vonstatten geht. Zugegeben, Projekte wie Stuttgart 21 (das auch der Autor als Aufhänger nimmt) zeigen auf wo die Probleme liegen, allerdings ist eine europäisierung dieser Themen da gerade nicht zielführend.

Interessant finde ich dass der Autor eine EU-RO als edukative Gesetzgebung zu verstehen, also den kleinen unerfahren und dummen Mitgliedsstaaten beizubringen wie man es richtig macht, nämlich deutsch! Der Autor rechnet auch irgendwie mit der Deutschen RO-Praxis ab und beschwert sich darüber, dass die RO in D ständig mehr machen muss, als es eigentlihc ihre Aufgabe ist. Er kritisiert, er macht aber keine konkreten Vorschläge wie es operativ besser zu machen wäre. Es gibt nunmal Einschränkungen wie finanzielle Mittel, personelle Ressourcen und fachliche Mängel bei den Mitarbeitern.

Dass sich Raumordnung in Zukunft mit allen Themen beschäftigen solle, die “für die Landentwicklung von Bedeutung” sind, öffnet das Betätigungsfeld der Raumordner recht weit: Prinzipiell würde sich Raumordnung mit allen politisch-strategischen Überlegungen befassen. Zukünftig braucht es keine Politiker mehr, das ist ja wohl klar 😉

Der Autor ist sich nicht so richtig sicher, über was er da schreibt: Immer wieder driftet er in Nebenschauplätze ab: Dass er über die Notwendigkeit der Bürgerbeteiligung im allgemeinen spricht, trägt nichts zum eigentlichen Thema EU-RO bei.

Die Argumentation die der Autor anbringt um in Grenzbereichen EU-Zuständigkeit herbeizureden erschließt sich mir nicht. Aus der gleichenArgumentation heraus könnte man eine grundsätzliche Zuständigkeit herbeireden: Und zugleich auf die grundsätzliche Zuständigkeit der Einzelstaaten als Gegenargument statt zu geben. Pah.

Interessant und eindeutig Hinterfragenswert ist das Fazit des Autors: So stehe uns eine Zeit der Raumordnung bevor, deren Ausgestaltung im Sinne der Harmonisierung der EU angegangen werden muss. Ich kann leider nicht nachvollziehen, wieso eine Zeit der Raumordnung vor uns liegt.. Zugegeben wir haben da so ein kleines Energieproblem, aber ansonsten? Die EU ist in großen Teilen bereits gebaut, ab jetzt geht es mit der Bevölkerung abwärts: Und selbst dass ist nicht grundsätzlicher Teil der deutschen Raumordnung. Wirtschaftliche Prosperität und Wachstum sind es allerdings noch immer. Ich bezweifele dass das in Zeiten der vielen Krisen noch zeitgemäß ist. Wenn also eine Zeit der Raumordnung vor uns liegt, dann muss diese Zeit sich mit Schrumpfung auseinandersetzen. Die Werkzeuge der aktuellen Raumordnung sind dafür aber nicht so optimal geeignet, oder?

Zeitgemäßes wissenschaftliches Arbeiten

Ich quäle mich gerade durch einen Text der mir im Rahmen meines Seminars zum Raumordnungsrecht durch zu lesen aufgetragen wurde. Dabei stolpere ich immer wieder über einzelne Passagen und hätte nun gerne jemanden mit dem ich mich darüber auslassen könnte. Wunderbar, denke ich mir: Den Text haben sicher auch schon andere gelesen und es wird sicher irgendwo im Netz eine Plattform geben, die entsprechende Diskurswerkzeuge zur Verfügung stellt. Denke ich weiter darüber nach, so fällt mir nur wenig ein, was meinen Anforderungen gerecht würde. Also recherchieren!

Ich verwende für die Verwaltung von Literatur das wundervolle, aber leider nicht so weit verbreitete und demnach auch nicht mit einem so riesigen Entwicklerteam ausgestattete Programm Papers 2 aus dem Hause Mekentosj, das auch eine Austauschplattform, genannt Livfe, in der kollaborative Literaturarbeit möglich sein soll. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun. Das scheitert jetzt aber erstmal daran, dass ich niemanden kenne, der ebenfalls mit Papers arbeitet…außerdem geht es bei Livfe auch mehr darum Papers zu einem Thema zu sammeln und dann über diese Sammlung zu diskutieren und nicht über das einzelne Paper.

Also: Andere Datenbanken. Das OPAC meiner Universität verlinkt mich gerne zum Dienst BibSonomy, welcher auf den ersten Blick das anzubieten scheint, was ich suche. Doch irgendwie versucht es noch mehr zu sein, nämlich eine vollwertige, weborientierte Literaturverwaltung für einzelne Benutzer und zugleich soziales Netzwerk. Hm. Das erledigt bei mir nunmal schon Papers 2 und wahlweise moodle oder facebook. BibSonomy ist hinsichtlich des Lokalpatriotismus überaus unterstützenswert, wird es doch an meiner Uni entwickelt: http://blog.bibsonomy.org. Ganz besonders interessant finde ich die Auskopplung PUMA, die quasi nicht einen globalen, sondern einen lokalen Anspruch hat und dazu dient innerhalb von einzelnen Institutionen eingesetzt zu werden. Ein interessanter Ansatz.

Ich möchte einen kurzen Seitenkommentar auf ein totes Projekt aus dem Hause google hinweisen, dass ich Rahmen einer Studienarbeit näher beleuchtet habe: Google Wave. Diese Plattform, die schon länger beerdigt, aber dessen Teile in Google Docs (was heute Google Drive heißt) eingesetzt werden hatte das Ziel Kommunikation im Netz grundsätzlich zu verändern. Dabei lieferte nicht ein Server eine Internetseite auf der verschiedene Nutzer ihre Inhalte veröffentlichen (was praktisch ein webbasierter Chatrooom ist), sondern stattdessen wurden sogenannte WAVEs von jedem Benutzer an alle (berechtigten – auch den Servern zur Archivierung) geschickt. Im Prinzip wäre WAVE ein Hybrid aus bittorent, email/instantmessaging und http und hätte es also nötig gemacht eine ganz neue (software-)Infrastruktur zu etablieren. Was meiner Meinung nach auch dafür gesorgt hat dass es eingestellt wurde. Jedenfalls sollte WAVE dazu dienen die Abstimmung in Arbeitsgruppen zu erleichtern und eine auf das Thema fixierte Arbeitsumgebung zu etablieren. Im Rahmen eines WAVE-Systems wäre es ein leichtes gemeinschaftlich ein PDF zu diskutieren (In Gruppe oder in Einzelgesprächen), eine Sammlung von PDFs oder gar ein gesamtes Seminar zu veranstalten. Leider gibt es WAVE nicht mehr, auch wenn der (offene) Quellcode von Apache als Organisation übernommen und veröffentlich wurde. Seit mehr als einem Jahr passiert da leider nichts mehr.

Und jetzt komme ich dazu, was ich eigentlich sagen wollte, als ich da oben die Überschrift eingegeben habe: Mir fehlt es in großem Maße in der Planung an einer innovativen Diskussionsplattform für die vielen zu diskutierenden planerischen Themen. Und sei es nur das PDF das ich gerade lese und nicht verstehe.

Ob nun live, bibsonomy/PUMA oder WAVE: In jedem fall fehlt es an einer kritischen Masse und somit ist ein moodle oder ähnliches doch geeigneter um sich dem Thema zu nähern.

Ich sehe ein, die wenigstens fühlen sich derart wohl im Umgang mit Computern wie ich und die wenigsten bevorzugen (so wie ich) die schriftliche Kommunikation vor der verbalen, aber dennoch glaube ich, dass es langsam an der Zeit ist über die Etablierung einer solchen Plattform nachzudenken. Wissen ist im Netz in unermesslichem Maße zu finden und das Web2.0 liefert uns unermessliche Möglichkeiten darüber zu reden. Ein WEb 3.0 muss nun den schritt machen das viele Wissen vernünftig handhabbar zu machen und Nutzer und wissen wirklich gut zusammen zu führen. Sei es über Raum (wie es Ansätze der Augmented Reality versuchen) oder aber über gemeinsame Interessen. Und da liegt mein Ansatz. Zugegeben es bedarf vieler, vieler Klippen zu umschiffen: Urheberrecht (der zu diskutierenden PDFs), Datenschutz (der Äußerung der Diskutanten), Plattformgrenzen (Mac, Win, iOS, Android…), Kritische Masse, Barrierefreiheit (z.B. hinsichtlich Speech-Recognition?) etc. aber grundsätzlich halte ich es für an der Zeit anzufangen eine solche Plattform zu etablieren. Wer weiß, vielleicht ist das ja ein Sub-Projekt des EIAPU?

Das an der Uni angebotene Moodle mag für die Organisation von Lehre irgendwie funktionieren, aber ich vermisse dabei ganz eindeutig die Cloud: Die Funktionen sind doch sehr darauf ausgelegt dass die Lehrenden die INhalte (oder die Diskussionsplattform) und die Teilnehmer bereitstellen und die Studierenden nehmen das angebotene an. Cloud verstehe ich dem Sinne so, dass alle Akteure alle Funktionen benutzen (und damit auch freischalten) können. Dann könnte sich auch abseits der von einigen Lehrenden kleingehaltenen Möglichkeiten des Moodles erweitern und damit erst wirklich etablieren lassen. Freiheit lässt Experimente und damit auch Innovation zu. (Wenn ich mich allerdings hier so durch die modle Demoseite kämpfe sehe ich ein, dass die Plattform vielleicht eher nicht geeignet ist. Das sieht ja intern aus wie die Konfiguration von mailman. *buärks*)

Wenn ich mir allerdings überlege, wer da im Moment in der Planungsforschung tätig ist wird mir klar, dass das was ich mir wünsche noch viele Jahre braucht um zu reifen und sich in der breiten Masse zu etablieren. Vermutlich wird es derartiges erst geben, wenn die aktuellen wissenschaftlichen Mitarbeiter in Reichweite eines Professorentitels kommen: So 10 bis 15 Jahre.

Worauf ich hinaus will: Da muss mal was passieren. Und ich fürchte es ist meine (oder unsere?) Generation die sich darum kümmern muss…

Fachwerk

In meinem Umfeld wird gerade diskutiert, ob man als Alterssitz nicht mal ein Haus kauft.Die Einkommenssituation hat sich bei den Betroffenen in letzter Zeit durch neue Jobs verbessert, was aber nur bedingt dazu führt, dass die Renten zukünftig höher ausfallen werden als angenommen. Da kommt die Vorstellung, dass man im Rentenalter geringere Mietaufwendungen hat, sehr zupass. Da der Kreditmarkt im Moment selten niedrige Zinsen bereit hält und auch ohne erhebliches Eigenkapital Kredite zur Verfügung gestellt werden können, und zugleich im ländlichen Raum die Immobilienpreis für Altbauten (insbesondere für jene, in die man noch etwas Arbeit stecken muss…) so niedrig wie nie sind, nähert sich die bisherige Utopie vom Wohneigentum einem realistischen Ziel.

Zuallererst gilt es wohl ein Objekt zu finden, dem alle Beteiligten zustimmen können. Dabei gilt es zu beachten, dass es nicht zu klein, nicht zu groß, dass das bauliche Umfeld und der Garten zu den Ansprüchen passt und vor allem: Die Lage richtig ist. Hat man zumindest ein Objekt der Begierde ausgemacht beginnt erst der ganze Mist mit der Finanzierung und allen weiteren Details.

In diesem Fall hat ein Objekt die Lefzen zum laufen gebracht, dass von Lage und städtebaulichem Umfeld (d.h. dörflichem) grandios ist, das aber nicht nur ein bisschen, sondern eine ganze, ganze Menge Arbeit erfordert. Zum Beispiel wäre es ganz gut eine Heizung zu haben. Oder Stromkabel. Und das dadurch eigentlich ein bisschen über dem sich vorgestellten Preisrahmen liegt.

Einige Überlegungen sind also notwendig:

Finanzierungsrahmen

  • Wieviel Geld braucht man?
  • Woher das Geld nehmen?
  • Was kann man sich leisten im Monat an Aufwendungen für den Kreditabtrag (also das Haus und damit das Wohnen) aufzubringen?
  • Querverbindung Lebensorganisation: Wie schnell ist ein Bauzustand herzustellen, der es ermöglicht die alte Wohnung aufzugeben, also keine Doppelbelastung mehr zu haben? Ein zweites oder gar drittes Auto muss her, ist das im Finanzrahmen gegeben?
  • Will man sich so lange an ein und die selbe Wohnsituation binden? Will man sich finanziell so lange binden?
  • Kann man damit Leben, dass das Wohneigentum am Ende des Lebens der Bewohner noch immer zu Teilen in (finanziellen) Händen der Bank liegt? Kann man damit Leben, dass man das Objekt nie wieder (oder zumindest nicht zu angemessenen Konditionen) los wird?

Bauorganisation

  • Wo bekommt man einen Sachverständigen für Altbauten (in diesem Fall uraltes Fachwerk) her?
  • Was kostet uns der? Und ist der kurzfristig verfügbar?
  • Was ist überhaupt zu tun? In welchem Zustand ist das Gebälk?
  • Welche Maßnahmen sind durchzuführen, bevor man einzieht? Was kann nachgeordnet passieren?

Lebensorganisation/Lebensplanung

  • Ist das Wohneigentum es wert, die urbanen Vorteile aufzugeben? (z.B.: Autofrei, bzw. mit nur einem Auspendler-Auto zu leben, Freunde alle mit dem Rad erreichbar; ICE-Anschluss in 15 Minuten erreichbar, etc.)
  • Will man an einem Ort leben, an dem nur alle zwei Stunden ein Bus vorbei fährt und wo man zum einkaufen nicht 800 Meter, sondern 4000 (one-way) auf dem Rad zurück legen muss?
  • Wieviel Platz braucht man zum Leben? Sind es die 120qm die man bisher hat oder müssen es die 240qm sein, die sich so schillernd anpreisen?
  • Im Fall der Pflegebedürftigkeit: Will man wirklich an einem Ort leben, an dem ein Pflegenotstand zu erwarten ist? Ist da ein urbaner Standort nicht sicherer?

Es stellen sich Fragen ohne Ende und vielleicht komme ich ja dazu im weiteren Fortgang des Prozesses einige davon zu präzisieren und damit auch Antworten zu finden.

Im nächsten Beitrag versuche ich die Kreditsituation aufzudröseln. Nicht nur die Konventionellen Banken sind dabei hilfreich, sondern auch Staatliche Zuschüsse und Krediterleichterungen.

Gedanken zur Lehre an den BFSR-Hochschulen

Ich fände es interessant uns als Studierende dazu zu positionieren wie Planung an unseren Hochschulen gelehrt wird. Dabei geht es mir nicht darum: Projektstudium und kein Projektstudium, sondern ein detaillierten Blick auf die Hochschul-Didaktik zu werfen.

Herausstellen möchte ich zum Beispiel die Transformation und Planungsprozess-Lehrveranstaltung an unserer Hochschule: Die Hälfte des Semesters gibt es durch vier verschiedene Lehrende Inputvorlesungen, dazu gibt es einen Haufen Pflichtliteratur. Das Innovative ist, wie ich finde, dass als Prüfung die Teilnahme an einer Podiumsdiskussion vorgesehen ist: Das heißt die teilnehmenden Studierenden werden einer absolut praxisnahen Situation ausgesetzt: Sie müssen ihren vorher entwickelten Standpunkt gegenüber den moderierenden Lehrenden, aber auch den an der Podiumsdiskussion teilnehmenden Studierenden vertreten (Die Inhalte sind weitestgehend durch die selbst gewählte Fragestellung klar). Auch in der Praxis werden wir gezwungen sein unsere planerische Expertise gegenüber anderen, auch vermeintlich wortgewaltigeren (ich denke da an manch einen Kommunalpolitiker) vertreten.

Ansonsten gibt es die unterschiedlichsten Konzepte des Projektstudiums (abhängig vom Lehrenden), unterschiedlichste Konzepte von Seminaren und Vorlesungen und ich glaube diese Unterschiedlichkeiten könnte man mal als Anregung für die anderen Planeruniversitäten aufbereiten und eben so auf die Vielfältigkeit und Qualität der Lehre einwirken: Lernen von anderen.

Das alte Thema “Forschung in der Lehre” könnte mal thematisiert werden: Wie ist es möglich aktuelle Forschungsthemen in der Lehre mitzunehmen, gibt es Konzepte dies bewusst zu tun? Sind es die allgemeinen aktuellen Forschungsthemen oder sind es die Themen von den jeweiligen Lehrenden an der Hochschule gerade bearbeitet werden? Und als Kontrast dazu: Wie verhält sich das Thema Forschung in der Lehre gegenüber der grundständigen Lehre dar?  Anderes Thema das natürlich für die Gesamthochschule von besonderer Bedeutung ist: Wie hoch wird das Thema forschendes Lernen wertgeschätzt?

CalDav-Gedöns und Android

Ich habe es kaum glauben können, aber es gibt mittlerweile einen sehr einfach zu installierenden CalDav-Server auf Basis von MySQL/lightsql und php: “Baïkal”. Entzippen hochladen, konfigurieren. Fertig. Läuft mit “Kontakte”, “Kalender” und “Erinnerungen”. Whohoooo!

Und dann habe ich es gleich ans Telefon angeschlossen, was dank der Fülle der “Apps” nicht ganz so einfach ist. Ich bin dabei geblieben, was ich schon länger verwendete: Jorte für den Kalender (greift auf Androids CalendarProvider zurück), eine Spezielle Remeber The Milk-konforme Astrid-Version und dazu das Agenda Widget weil die Benutzeroberfläche von Astrid so kryptisch ist.

Neu dazu gekommen ist, dass ich jetzt die Apps CalDav-Sync und CardDav installiert habe, erstere ist kostenpflichtig, aber soweit ich sehe das Geld wert. Kalender und Adressen werden problemlos synchronisiert. Auch von mehreren verschiedenen Servern. Toll!

Fehlen nur noch die To-Do-List-Items, aber angeblich ist der Entwickler von CalDav-Sync da dran. Problem: Android unterstützt das nicht nativ, d.h. der Entwickler muss mit Astrid oder wer weiß wem zusammenarbeiten. Nachdem diese App ca. 1,5 Jahre für die Entwicklung gebraucht habe, habe ich wenig Hoffnung, dass ich das noch mit diesem Telefon erleben werde.

In jedem Fall: Adieu iCloud, Adieu Google Calendar. Noch nicht Adieu Remember the Milk