Zeitgemäßes wissenschaftliches Arbeiten

Ich quäle mich gerade durch einen Text der mir im Rahmen meines Seminars zum Raumordnungsrecht durch zu lesen aufgetragen wurde. Dabei stolpere ich immer wieder über einzelne Passagen und hätte nun gerne jemanden mit dem ich mich darüber auslassen könnte. Wunderbar, denke ich mir: Den Text haben sicher auch schon andere gelesen und es wird sicher irgendwo im Netz eine Plattform geben, die entsprechende Diskurswerkzeuge zur Verfügung stellt. Denke ich weiter darüber nach, so fällt mir nur wenig ein, was meinen Anforderungen gerecht würde. Also recherchieren!

Ich verwende für die Verwaltung von Literatur das wundervolle, aber leider nicht so weit verbreitete und demnach auch nicht mit einem so riesigen Entwicklerteam ausgestattete Programm Papers 2 aus dem Hause Mekentosj, das auch eine Austauschplattform, genannt Livfe, in der kollaborative Literaturarbeit möglich sein soll. Ein erster Schritt in die richtige Richtung. Nun. Das scheitert jetzt aber erstmal daran, dass ich niemanden kenne, der ebenfalls mit Papers arbeitet…außerdem geht es bei Livfe auch mehr darum Papers zu einem Thema zu sammeln und dann über diese Sammlung zu diskutieren und nicht über das einzelne Paper.

Also: Andere Datenbanken. Das OPAC meiner Universität verlinkt mich gerne zum Dienst BibSonomy, welcher auf den ersten Blick das anzubieten scheint, was ich suche. Doch irgendwie versucht es noch mehr zu sein, nämlich eine vollwertige, weborientierte Literaturverwaltung für einzelne Benutzer und zugleich soziales Netzwerk. Hm. Das erledigt bei mir nunmal schon Papers 2 und wahlweise moodle oder facebook. BibSonomy ist hinsichtlich des Lokalpatriotismus überaus unterstützenswert, wird es doch an meiner Uni entwickelt: http://blog.bibsonomy.org. Ganz besonders interessant finde ich die Auskopplung PUMA, die quasi nicht einen globalen, sondern einen lokalen Anspruch hat und dazu dient innerhalb von einzelnen Institutionen eingesetzt zu werden. Ein interessanter Ansatz.

Ich möchte einen kurzen Seitenkommentar auf ein totes Projekt aus dem Hause google hinweisen, dass ich Rahmen einer Studienarbeit näher beleuchtet habe: Google Wave. Diese Plattform, die schon länger beerdigt, aber dessen Teile in Google Docs (was heute Google Drive heißt) eingesetzt werden hatte das Ziel Kommunikation im Netz grundsätzlich zu verändern. Dabei lieferte nicht ein Server eine Internetseite auf der verschiedene Nutzer ihre Inhalte veröffentlichen (was praktisch ein webbasierter Chatrooom ist), sondern stattdessen wurden sogenannte WAVEs von jedem Benutzer an alle (berechtigten – auch den Servern zur Archivierung) geschickt. Im Prinzip wäre WAVE ein Hybrid aus bittorent, email/instantmessaging und http und hätte es also nötig gemacht eine ganz neue (software-)Infrastruktur zu etablieren. Was meiner Meinung nach auch dafür gesorgt hat dass es eingestellt wurde. Jedenfalls sollte WAVE dazu dienen die Abstimmung in Arbeitsgruppen zu erleichtern und eine auf das Thema fixierte Arbeitsumgebung zu etablieren. Im Rahmen eines WAVE-Systems wäre es ein leichtes gemeinschaftlich ein PDF zu diskutieren (In Gruppe oder in Einzelgesprächen), eine Sammlung von PDFs oder gar ein gesamtes Seminar zu veranstalten. Leider gibt es WAVE nicht mehr, auch wenn der (offene) Quellcode von Apache als Organisation übernommen und veröffentlich wurde. Seit mehr als einem Jahr passiert da leider nichts mehr.

Und jetzt komme ich dazu, was ich eigentlich sagen wollte, als ich da oben die Überschrift eingegeben habe: Mir fehlt es in großem Maße in der Planung an einer innovativen Diskussionsplattform für die vielen zu diskutierenden planerischen Themen. Und sei es nur das PDF das ich gerade lese und nicht verstehe.

Ob nun live, bibsonomy/PUMA oder WAVE: In jedem fall fehlt es an einer kritischen Masse und somit ist ein moodle oder ähnliches doch geeigneter um sich dem Thema zu nähern.

Ich sehe ein, die wenigstens fühlen sich derart wohl im Umgang mit Computern wie ich und die wenigsten bevorzugen (so wie ich) die schriftliche Kommunikation vor der verbalen, aber dennoch glaube ich, dass es langsam an der Zeit ist über die Etablierung einer solchen Plattform nachzudenken. Wissen ist im Netz in unermesslichem Maße zu finden und das Web2.0 liefert uns unermessliche Möglichkeiten darüber zu reden. Ein WEb 3.0 muss nun den schritt machen das viele Wissen vernünftig handhabbar zu machen und Nutzer und wissen wirklich gut zusammen zu führen. Sei es über Raum (wie es Ansätze der Augmented Reality versuchen) oder aber über gemeinsame Interessen. Und da liegt mein Ansatz. Zugegeben es bedarf vieler, vieler Klippen zu umschiffen: Urheberrecht (der zu diskutierenden PDFs), Datenschutz (der Äußerung der Diskutanten), Plattformgrenzen (Mac, Win, iOS, Android…), Kritische Masse, Barrierefreiheit (z.B. hinsichtlich Speech-Recognition?) etc. aber grundsätzlich halte ich es für an der Zeit anzufangen eine solche Plattform zu etablieren. Wer weiß, vielleicht ist das ja ein Sub-Projekt des EIAPU?

Das an der Uni angebotene Moodle mag für die Organisation von Lehre irgendwie funktionieren, aber ich vermisse dabei ganz eindeutig die Cloud: Die Funktionen sind doch sehr darauf ausgelegt dass die Lehrenden die INhalte (oder die Diskussionsplattform) und die Teilnehmer bereitstellen und die Studierenden nehmen das angebotene an. Cloud verstehe ich dem Sinne so, dass alle Akteure alle Funktionen benutzen (und damit auch freischalten) können. Dann könnte sich auch abseits der von einigen Lehrenden kleingehaltenen Möglichkeiten des Moodles erweitern und damit erst wirklich etablieren lassen. Freiheit lässt Experimente und damit auch Innovation zu. (Wenn ich mich allerdings hier so durch die modle Demoseite kämpfe sehe ich ein, dass die Plattform vielleicht eher nicht geeignet ist. Das sieht ja intern aus wie die Konfiguration von mailman. *buärks*)

Wenn ich mir allerdings überlege, wer da im Moment in der Planungsforschung tätig ist wird mir klar, dass das was ich mir wünsche noch viele Jahre braucht um zu reifen und sich in der breiten Masse zu etablieren. Vermutlich wird es derartiges erst geben, wenn die aktuellen wissenschaftlichen Mitarbeiter in Reichweite eines Professorentitels kommen: So 10 bis 15 Jahre.

Worauf ich hinaus will: Da muss mal was passieren. Und ich fürchte es ist meine (oder unsere?) Generation die sich darum kümmern muss…